Konzept für Kindergarten und Spielgruppe

Pädagogisches Konzept

 

Die Kraft des Baumes liegt in seinen Wurzeln. Die des Menschen in einem glücklichen Herzen. 

(unbekannt)

Unsere zentrale pädagogische Zielsetzung im Kindergarten und in der Spielgruppe ist, für das

Kind ideale Bedingungen zu schaffen, um sich der eigenen Persönlichkeit entsprechend

entwickeln zu können. Den Kindern soll ermöglicht werden, bei uns eine glückliche und

unbeschwerte Zeit zu verbringen. Dabei liegt unser besonderes Augenmerk auf einer

ganzheitlichen Entwicklung der emotionalen, sozialen, sprachlichen, motorischen, kognitiven

und kreativen Kompetenzen. Jedes einzelne Kind wird dabei als einzigartiges, unverwechselbares

Individuum gesehen. Unser Ziel ist es, dass ein Kind nach dem Besuch der Spielgruppe einerseits

die liebevoll begleitete Ablösung von den Eltern erfahren und sich andererseits selbst als Teil einer

Gruppe erlebt hat. Wenn die Kinder den Kindergarten verlassen, sollen sie in ihren individuellen

Fähigkeiten für die Schule vorbereitet und gestärkt sein.

Unser pädagogisches Bemühen richtet sich dabei nach der Maxime, jedes Kind so anzunehmen,

wie es ist (Janusz Korczak), ohne dabei unverzichtbare individuelle und gruppendynamische

Aspekte zu vernachlässigen:

„Soviel Freiheit wie möglich, so viele Grenzen wie nötig“

Die pädagogische Umsetzung erfolgt von unseren ErzieherInnen in erster Linie durch

 ein authentisches Vorbild

 Beobachten und aktives Zuhören

 gleichberechtigtes Sprechen mit dem Kind („auf Augenhöhe“)

 klare äußere Strukturen des Tagesablaufs und regelmäßige Rituale, die dem Kind das

Gefühl von Vorhersehbarkeit und innerer Sicherheit geben, um selbstständig und frei mit

seiner natürlichen und sozialen Umgebung zu interagieren

 eine enge und kontinuierliche Zusammenarbeit mit den Eltern (z.B. durch ausführliche

Entwicklungsgespräche zwischen ErzieherInnen und Eltern)

Zusammenfassung unseres Verständnisses der kindlichen Entwicklung und die darauf

aufbauende pädagogische Konzeption:

1) Die emotionale Entwicklung beinhaltet nach unserem Verständnis die Fähigkeit, Gefühle

zunächst nonverbal wahrzunehmen, zu differenzieren und zunehmend auch verbal auszudrücken.

Kinder erleben Gefühle oft als nur schwer greifbar und teilweise auch als emotionale

Überforderung. Das Kind wird daher mit seinen Gefühlen durch die ErzieherInnen empathisch

angenommen und seine Gefühle werden nicht als „gut“ oder „schlecht“ bewertet. Je nach

individuellem Entwicklungsstand unterstützen die ErzieherInnen das Kind, seine Gefühle

auszudrücken und zu benennen. Dies ist Voraussetzung, um die aus Emotionen folgenden

Handlungsimpulse (auf sozial angemessene Weise) regulieren zu können. Gefühle wie Traurigkeit

und Wut werden, soweit die Gruppensituation dies ermöglicht, bewusst zugelassen. Unsere

ErzieherInnen sind vielmehr stets bemüht, dem Kind Zugang und Verständnis zu seiner

Gefühlswelt zu ermöglichen. Die Wahrnehmung der Gefühle bei sich selbst und bei anderen stellt

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für uns in diesem Sinne eine sehr wichtige Voraussetzung für die Entwicklung sozialer

Kompetenzen dar. Unsere ErzieherInnen fördern bewusst die Eigen- und Fremdwahrnehmung: die

Kinder werden ermutigt, eigene Bedürfnisse ebenso wahrzunehmen, wie die Empfindungen und

Grenzen ihrer Mitmenschen.

2) Soziale Entwicklung: Wir wollen den Kindern ein respektvolles Miteinander, gewaltfreie

Lösungsmöglichkeiten von Konflikten und das Verständnis demokratischer Grundprinzipien

nahe bringen. In Übereinstimmung mit unserem Verständnis einer gesunden emotionalen

Entwicklung (siehe oben) geht es nicht darum, Konflikte zu „deckeln“ oder durch ein

ausdifferenziertes vorgegebenes Regelwerk zu umgehen. Unser pädagogischer Ansatzpunkt in

Konfliktsituationen beruht vielmehr darauf, den „Streithähnen“ (oder -hennen) die Motive und

dahinterliegenden Bedürfnisse beider Seiten zu verdeutlichen und auf diese Weise Raum für

selbstständige und kreative Lösungsansätze zu schaffen. Unsere ErzieherInnen vermeiden

nach Möglichkeit die Rolle eines „Schiedsrichters“, natürlich ohne die Kinder in ihrem Streit alleine

zu lassen und dadurch zu überfordern. Jedem Kind wird die Möglichkeit und der nötige Freiraum

gegeben, seine Sichtweise der Dinge zu erklären. Daraus resultiert in der Regel ein zunehmendes

Bewusstsein und Vertrauen der Kinder in die eigenen (Sozial-)Kompetenzen. Gewalt als (hilfloser)

Lösungsansatz verliert dabei zunehmend an Bedeutung. Andererseits liegt unser Erziehungsziel

keinesfalls in einer „körperlosen“ Konflikt- und Interaktionskultur, sondern in einem respektvollen

und grenzenwahrenden Umgang miteinander. Eine wichtige Voraussetzung hierfür ist eine

positive Haltung unserer ErzieherInnen jedem einzelnen Kind gegenüber. Die Kinder werden

respektvoll und mit Achtung behandelt und lernen, anderen Menschen auf die gleiche Weise zu

begegnen. Als Bezugspersonen schaffen unsere ErzieherInnen eine liebevolle Atmosphäre, in der

sich die Kinder angstfrei und selbstständig bewegen können. Unter diesen Voraussetzungen kann

ein Kind seine individuellen sozialen Kompetenzen entfalten und erfahren, welche Konsequenzen

diese in der Gemeinschaft haben. So wird jedes Kind auch immer wieder Grenzen erleben, die

entweder aus Regelverletzungen resultieren oder im sozialen Kontakt mit anderen deutlich

werden:

Beispiel: Den Kindern ist es erlaubt, mit Stöcken zu spielen, solange sie dabei achtsam mit sich

und anderen Kindern umgehen. Wird diese Regel nicht beachtet, erfährt das Kind sowohl den

Unmut der anderen Kinder als auch die Grenzsetzung der ErzieherInnen und muss den Stock für

diesen Tag beiseite legen.

Innerhalb zuvor kommunizierter Regeln und Abmachungen haben die Kinder die Möglichkeit, den

Spielgruppen- und Kindergartenalltag mitzugestalten (z.B. im Morgenkreis: Die

Kindergartenkinder beschließen durch Mehrheitsentscheidung, welcher Ort im Wald aufgesucht

wird. So bekommen sie ein erstes Gespür für demokratische Grundregeln).

Die Kinder erleben sich in den Gruppen als Teil einer Gemeinschaft und erlernen, gestützt durch

Anleitung unserer ErzieherInnen und das natürliche Feedback der Gruppe, wichtige soziale

Basisfertigkeiten wie

 Inanspruchnahme von Unterstützung, wenn die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten

nicht ausreichen

 kooperative Interaktion mit Gleichaltrigen, um ein selbstgestecktes Ziel zu erreichen

 freiwillige Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft gegenüber „schwächeren“

Gruppenmitgliedern

Zahlreiche Feste und Gruppenaktivitäten (z.B. Herbstfest, St. Martin, Sommerfest, etc.) fördern

das Gruppengefüge und das Wir-Gefühl zusätzlich und ermöglichen eine gruppenübergreifende

Kommunikation. Die enge Einbeziehung der Eltern in unser pädagogisches Konzept (z.B. bei

den regelmäßigen Bauwageneinsätzen und Festen), führt dazu, dass für die Familien die

Lebenswelten „zu Hause“ und „Wald“ als Einheit erlebt werden und erlaubt es den Kindern, stolz

als sach- und fachkundige Experten „ihren“ Wald zu präsentieren.

3) Sprachliche Entwicklung: auch in diesem Punkt greift unser zentraler Grundsatz, nach dem

jedes Kind individuell entsprechend seinen Fähigkeiten begleitet und gefördert werden soll, wobei

die ErzieherInnen sich als Sprachvorbilder verstehen. Grundsätzlich soll bei uns das Kind Spaß

daran haben (oder entwickeln), mit anderen zu sprechen. Auf spielerische Weise können die

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Kinder Erfahrungen mit ihren sprachlichen Möglichkeiten sammeln und ihr kommunikatives

Verhaltensrepertoire immer weiter ausdifferenzieren.

Unsere ErzieherInnen legen dabei Wert auf:

 Langsames Sprechen in ruhigen, einfachen, kurzen und vollständigen Sätzen

 Aussprechen lassen des Kindes (und anders herum)

 Eingehen auf den Inhalt des Erzählten

 Achtung des Kindes als vollwertigen Gesprächspartner

 Korrigierte Wiederholung des Gesprochenen (statt permanenter Verbesserung)

Die sprachlichen Kompetenzen werden u.a. durch die folgenden Aspekte unseres pädagogischen

Konzeptes gezielt gefördert:

1. Im Ritual des Morgen-/Abschlusskreises spielen Lieder, Reime und Fingerspiele eine

2. V.a. bei schlechtem Wetter erfreuen sich Bücher und Geschichten großer Beliebtheit. Diese

3. Konfliktverhalten: Die verbale Auseinandersetzung miteinander wird gefördert. Unsere

wichtige Rolle. Diese fördern die Koordination zwischen Sprache, Auge, Gehör und

Händen, die für das spätere Lesen und Schreiben wichtig ist.

werden entweder durch unsere ErzieherInnen den Kindern nahegebracht, oder die Kinder

entdecken sie gemeinsam bzw. selbstständig.

ErzieherInnen bieten sprachliche Alternativen für abwertende Kraftausdrücke an, um das

Kind zu einem konstruktiven Dialog anzuregen anstatt den Kontrahenten körperlich oder

verbal zu verletzen.

4) Motorische Entwicklung: Um sich motorische Fähigkeiten anzueignen, braucht das Kind Zeit,

Raum und die Möglichkeit, mit dem eigenen Körper zu experimentieren. Der Wald bietet dem Kind

optimale Voraussetzungen, seine grob- und feinmotorischen Fähigkeiten auf natürliche Art und

Weise zu erproben und weiterzuentwickeln. Das Kind hat hier die Möglichkeit, den kindlichen

Bewegungsdrang lustvoll und weitläufig auszuleben. Im Laufe eines Betreuungsjahres erlebt ein

Waldkind die unterschiedlichsten Witterungsverhältnisse und deren Auswirkungen auf den eigenen

Körper und die Natur.

4.1) Die grobmotorische Entwicklung: Der Weg vom Treffpunkt zu den Plätzen im Wald fordert

viel, vor allem von den kleineren Kindern. Trotzdem können unsere Kinder gerade hier wertvolle

Erfahrungen sammeln: Die jahreszeitlichen Veränderungen werden bewusster wahrgenommen

und das Kind experimentiert mit den jeweiligen Bedingungen und passt seine Bewegungen diesen

an. Die ErzieherInnen nehmen Rücksicht auf das unterschiedliche Tempo der Kinder, ohne dabei

die Gruppe und den Tagesplan aus dem Blick zu verlieren.

Beispiel Klettern: Das Erklettern der Bäume schult Körperwahrnehmung und

Gleichgewichtssinn. Das Kind lernt, seine eigenen Kräfte einzuschätzen und seine Bewegungen

gezielt zu koordinieren. Die ErzieherInnen achten darauf, dass Sicherheitsregeln (z.B. geeignetes

Schuhwerk und maximale Kletterhöhe) eingehalten werden.

4.2) Die feinmotorische Entwicklung findet im Wald viele Möglichkeiten, sich zu schulen. Durch

den alltäglichen Umgang mit Naturmaterialien bieten sich dem Kind auf vielfältige Weise sinnliche

Erlebnisse, die zur Verbesserung seiner feinmotorischen Fähigkeiten beitragen. Das Kind ertastet

jeden Tag Neues: weiches saftiges Moos im Sommer, Schlamm bei Regenwetter, trockenes,

nasses, weiches oder hartes Holz, im Winter kalten Schnee und Eis, das in der Hand schmilzt,

einen sich windenden Regenwurm, und noch vieles mehr. Die ErzieherInnen ermutigen das Kind

zur Auseinandersetzung mit den verschiedenen Materialien und geben Impulse.

Freies Werken: Der Kindergartengruppe steht im Wald ein Werkzeugkasten zur Verfügung. Unter

Beobachtung und gegebenenfalls Anleitung haben die Kinder die Möglichkeit, mit Säge, Bohrer

und Feile die (abgestorbene) Natur zu bearbeiten. Durch den Spaß am Umgang mit dem

Werkzeug verbessert sich die Auge-Hand- Koordination und die Geschicklichkeit. Unsere

ErzieherInnen achten dabei selbstverständlich auf einen verantwortungsvollen Umgang mit dem

Werkzeug und die Einhaltung von Sicherheitsregeln.

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Gezielte jahreszeitliche Angebote: Vor allem im Sommer und bei schönem Wetter werden immer

wieder Bastelarbeiten mit Naturmaterialien, Papier, Stiften und Scheren angeboten. Diese Arbeiten

haben oft einen jahreszeitlichen Bezug (Faschingsrasseln aus Astgabeln, Zapfenmännchen,

Blätterlaternen). Ganzjährig werden dem Kind bei passendem Wetter Papier, Stifte oder

Wasserfarben, Scheren und Kleber zur Verfügung gestellt, damit es seiner eigenen Kreativität

Ausdruck verleihen kann. Bei den Vorschulkindern achten unsere ErzieherInnen auf eine richtige

Stifthaltung und fördern die feinmotorischen Fähigkeiten u. a. durch den gezielten Einsatz von

Arbeitsblättern.

5) Kognitive Kompetenzen: Kindern lernen und begreifen ihre Umwelt in erster Linie im und

durch das Spielen. Für unsere Kinder ist dabei der vorrangige Spiel- und Lernraum der Wald. Er

bietet viele Möglichkeiten und Anlässe, alle Ebenen der kognitiven Fähigkeiten zu fördern:

 die soziale Intelligenz und das Sprachverständnis (siehe oben)

 das logische Denken (z.B. das Mengen- und Zahlenverständnis)

 das Arbeitsgedächtnis (Konzentration), z.B. durch Basteln, Werken oder Gruppenspiele

 die Verarbeitungsgeschwindigkeit (Arbeitstempo)

 Allgemeine Wahrnehmung und Achtsamkeit (z.B. der allmorgendliche „Wetterdienst“: im

wöchentlichen Wechsel stellt ein Team aus „Wetterfröschen“ dem Rest der Gruppe die

aktuellen Witterungsbedingungen anhand von selbstgebastelten Bildkarten vor und

bestimmt das aktuelle Datum)

Die Kinder sollen sich grundsätzlich jederzeit in ihrer Neugierde angenommen und zum Fragen

ermuntert fühlen. Auf diese Weise können sie die Erfahrung machen, dass sie in ihrer

Persönlichkeit ernst und „für voll“ genommen werden, was das Selbstbewusstsein nachhaltig

bestärkt.

6) Fantasie- und Kreativität: Um den Kindern Gelegenheit zu geben, aus vorhandenen

Materialien eigenes Tun und damit Kreativität entstehen zu lassen, verzichten wir weitgehend auf

gekauftes oder vorgefertigtes Spielzeug. Hilfsmittel (z. B. Schere, Papier, Kleber, verschiedene

Werkzeuge, Seile und Farben), die zum Gestalten und Experimentieren notwendig sind, stehen

jedoch zur Verfügung. Die Kinder erleben sich in der Natur als Forscher und Entdecker und sind

keine bloßen Konsumenten. Es entstehen verschiedenste Rollenspiele, die sich immer wieder

ändern, je nach Verfassung und Bedürfnissen der Kinder.

Für uns hat auch in diesem Zusammenhang das Freispiel einen besonders großen Stellenwert.

Im und mit dem Spiel drückt das Kind sein Wesen aus, setzt Erlebtes um und verarbeitet es.

Unsere ErzieherInnen nützen die Zeit des Freispiels zum aktiven Beobachten des einzelnen

Kindes und der Gruppe.

Einige Vorzüge des Freispiels:

 Aktivierung von Lernprozessen: Kinder lernen im Freispiel – nicht nur auf motorischer

Ebene – besonders intensiv und variantenreich (Neues wird ausprobiert und bereits

Erlerntes ausdifferenziert und vertieft)

 altersgemäße Selbständigkeit kann erworben und ausgelebt werden

 das Kind hat Raum, seine Persönlichkeit zu entfalten

 es kommt zu keiner direkten Bewertung von Seiten der Erwachsenen, die Kinder können

ungezwungen ihre eigenen Ideen ausleben

 selbstgesteckte Ziele und Herausforderungen können eigenverantwortlich erreicht werden,

was das Selbsteffizienzerleben der Kinder stärkt

 die Lust der Kinder, eigene Lernziele zu verfolgen, wird gefördert und damit die Fähigkeit

zum selbstbestimmten Lernen unterstützt

 im Freispiel besteht die Möglichkeit, sich intensiv und lange mit einem Thema auseinander

zusetzen (Förderung des Durchhaltevermögens und der Langzeitkonzentration)

7) Partizipation – aktive Beteiligung der Kinder: Die Grundhaltung unserer Erzieherinnen,

die Kinder aktiv am Geschehen zu beteiligen, nimmt eine Schlüsselrolle in unserem

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pädagogischen Konzept ein. Die Pädagoginnen übernehmen die Rolle der Begleiterin und

Moderatorin. Dabei unterstützen sie die Kinder, Selbstwirksamkeit zu erleben und

Selbstbildungsprozesse zu gestalten.

Im Alltag sieht das folgendermaßen aus:

 Im Morgenkreis suchen die Kinder täglich die Plätze im Wald aus und stimmen darüber ab.

Dazu gibt es für jeden Platz eine, i. d. Regel von Kindern, gestaltete Karte.

 Auch den Inhalt des Morgenkreises bestimmen die Kinder mit. So wurde z.B. der Wunsch,

Spielsachen oder Wichtiges von zu Hause zu zeigen, durch eine wöchentliche

Vorzeigerunde umgesetzt.

Damit es zur Mitgestaltung durch die Kinder kommt, ist es wichtig, dass sie in den

Gesprächsrunden jegliche Wünsche äußern können. Die gemeinsame

Auseinandersetzung darüber bringt das Ergebnis.

 Die Kinder haben die Möglichkeit, Material, das über den Standard des bepackten

Bollerwagens hinausgeht, auszuwählen. Die Vorschläge werden gesammelt und

gemeinsam besprochen und ggf. analysiert, z.B. im Hinblick auf Wetterlage (Bsp.

Hängematte bei nassem Wetter?), Gruppensituation (Bsp. wollen mehrere Fußball

spielen?)

 Bei Planungen von Projekten beziehen wir die Kinder bei der Auswahl und Umsetzung mit

ein. Durch die immerwährende aktive Beobachtung der Gruppe stellen die Erzieherinnen

Interessen fest und tragen diese Beobachtungen in die Gruppe. Wir klären, ob das Thema

von den Kindern angenommen wird oder ob es auf Ablehnung stößt. Eine weitere

Möglichkeit ist es, dass Kinder ihre Wünsche in der morgendlichen Besprechung äußern

und sie gemeinsam entscheiden, ob es zur Umsetzung kommt.

 Ebenso bei Festen werden Ideen der Kinder gesammelt und bei der Planung

miteinbezogen.

 Auch Ausflüge basieren in der Regel auf Vorschlägen der Kinder oder auf Beobachtungen

des Personals.

 In weiteren Alltagssituationen haben die Kinder ein Mitbestimmungsrecht. So kann sich

jeder beim Mittagessen seinen Teller selber füllen, auch entscheiden ob er isst oder nicht.

 Auch bei der Kleidung steht dem Kind das Recht zu, nach Wohlbefinden zu handeln. Das

heißt, es kann z.B. seine Jacke ausziehen, wenn es ihm zu warm wird. Die für alle

bestehende „Kleiderordnung“, die aus gesundheitlichen Gesichtspunkten erstellt wurde,

muss eingehalten werden. In der jeweiligen Situation wird dies mit dem Kind besprochen

und gemeinsam überlegt, was möglich ist. So kann die Entscheidung sein, dass das Kind

sein langarmiges T-Shirt nicht ausziehen kann, da es ihm zum Schutz vor Sonnenbrand

und Zeckenbiss dient, aber sein Unterhemd.

 Ein wichtiges Anliegen ist, dass die Kinder ihre Gefühle zeigen dürfen. In

Konfliktsituationen „spiegeln“ die Erzieher die Situation. Hierzu wird nur das

Wahrgenommene ausgesprochen, ohne Interpretation. Somit haben alle Beteiligten die

Möglichkeit, ihre Sicht zu schildern. Die Erzieherin moderiert und fragt bei den Kindern

nach Lösungsmöglichkeiten und -vorschlägen. Hierbei werden die Kinder mit ihren

Bedürfnissen, Anliegen und Themen ernst genommen.

8) Beschwerdemanagement

o In der Kindergruppe

Grundlage für das Beschwerdemanagementverfahren in unserem Kindergarten ist die

partizipative Haltung der Erzieherinnen, die den Kindern das verbindliche Recht zugestehen, ihre

Meinungen, Anliegen und Beschwerden zu äußern und zu vertreten. Das

Beschwerdemanagement geht damit einen partizipativen Weg konsequent weiter, indem nicht nur

die Rechte, sondern auch die Unzufriedenheit der Kinder Bestandteil von gemeinsamen

Prozessen werden.

Der Alltag zeigt, dass Beschwerden von den Kindern im Kindergarten nur zu einem kleinen Teil

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verbalisiert werden. Deshalb ist die aktive Beobachtung der pädagogischen Fachkräfte wichtig,

um die Beschwerde aus dem Verhalten oder den Formulierungen herauszuhören, sich bei

den Kindern rück zu versichern und mit ihnen eine Lösung zu finden. Dies findet während des

gesamten Tages statt.

(Bsp. Ein Kind steht abseits des Geschehens und sieht traurig aus. Die Erzieherin verbalisiert ihre

Beobachtung. „Du siehst traurig aus.“ Somit eröffnet sie dem Kind die Möglichkeit, in den Dialog zu

gehen.)

Darüber hinaus haben sich in unserem Kindergarten unterschiedliche Formen der

Beschwerdekultur entwickelt.

Im Alltag sieht das folgendermaßen aus:

 Ein Bestandteil des Morgenkreises ist die „Wortmeldungsrunde“, die täglich stattfindet.

Hier kann sich jeder zu Wort melden, um etwas loszuwerden. Alle Beiträge werden gehört

und ggf. behandelt.

 Des Weiteren finden konkrete Befragungen zu bestimmten Bereichen statt, hier können

die Kinder ihr Feedback geben. Damit werden konkrete Meinungen und mögliche

Unzufriedenheit zu einem bestimmten Zeitpunkt erfragt (Bsp. Was findest du am

Morgenkreis gut und was nicht?)

 Nach gemeinsamen Veranstaltungen oder Festen führen die Erzieherinnen eine

Reflexionsrunde durch.

 Gehör finden die Kinder immer im Einzelkontakt mit den pädagogischen Fachkräften.

Das, worüber es sich beschwert, ist für das Kind bedeutsam. Für die Erzieherin ist dies

immer Anlass, es aufzugreifen und ernst zu nehmen.

 Daraus resultiert bei Bedarf eine Kinderbesprechung, die eine konkrete Beschwerde als

Inhalt hat. (Bsp. eine Kleingruppe breitet ihr wildes Fangspiel auf dem gesamten Waldplatz

aus. Andere fühlen sich in ihrem Spiel gestört, aber nicht in ihrem Anliegen

wahrgenommen). Diese Kinderbesprechungen können vor Ort mit den beteiligten Kindern

stattfinden oder reflektierend zu einem späteren Zeitpunkt in großer Runde.

o In der Elternschaft

Die Erzieherinnen sind in unserem Kindergarten professionelle Ansprechpartnerinnen für die

Eltern. Ein guter, offener und regelmäßiger Austausch mit den Eltern ist uns wichtig.

Dazu gehört auch, dass die Eltern Kritik äußern dürfen und sollen. Beschwerden sind als

konstruktive Kritik erwünscht. Die aufgrund von Beschwerden ergriffenen Maßnahmen dienen

der Weiterentwicklung unserer Qualität.

Die Formen der Beschwerdemöglichkeiten sind:

 Einzelgespräche

 Elternabende

 Vorstandssitzungen mit dem Personal

Bei all unserem Bestreben, die Kinder bestmöglich zu fördern und in ihren Kompetenzen zu

stärken, steht an erster Stelle jedoch ein kindgerechter, also spielerischer Grundgedanke, denn:

 

 

„Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Feuer, die entzündet werden wollen.“

(Rabelais)